Darmstädter Turn- und Sportgemeinde 1846 e. V.



Kanujugend in den Alpen

Raus aus den Städten! Rein in die Bergwelt!

Auch in diesem Jahr folgten viele hessische Kanuvereine diesem Ruf und schickten ihre Jugend und Übungsleiter in die Alpen.

Vor vier Jahren ist die Jugendwildwasserwoche von Dirk Laun ins Leben gerufen worden. Der Kernidee folgend, die hessische Jugend unter der Führung ihrer Übungsleiter zusammenzubringen, organisiert er die Woche, die sich großer Beliebtheit erfreut und sogar fast schon zum Selbstläufer geworden ist. Nach Wildalpen in der Steiermark und Eygliers in Frankreich wurde nun die „Sonnenstadt“ Lienz in Osttirol zum Quartier.

Unter den hohen Gipfeln der Dolomiten zeigte sich der Bergsommer bereits bei der Anreise am 28. Juli 2013 von seiner schönsten Seite. Die Sonne briet mit über 30°C vom Himmel und schmolz die Gletscher, sodass die Wildbäche Drau, Isel und Möll genug Wasser führten. Von Wildwasser I bis zu III+ waren alle Schwierigkeitsgrade vertreten. So konnten die Jugendlichen in kleinen leistungsgerechten Gruppen mit zwei oder drei Übungsleitern genau die Strecken fahren, die auf sie zugeschnitten sind, um Fähigkeiten auszubauen und das Können zu steigern. Die „alten Hasen“ unter den Wildwasserfahrern waren Vorbild und Anleitung für diejenigen, die zum ersten Mal die heimischen Gefilde der Zahmwasser verließen, Schönheit und Tücken wilder Gletscherflüsse begegneten und sahen, wie sich ein Bach in der Gemeinschaft bezwingen lässt.

Malte (12) und Björn (15), die sonst am Rhein trainieren, bewiesen auf der oberen Isel, was sie gelernt haben, indem sie keine Welle ausließen und trotz der Wasserwucht ihre Nerven behielten. Auch Pia und Lara (16) aus Frankfurt nahmen erst auf der Möll, dann auf der Isel jedes Kehrwasser mit. So konnten sie schließlich auch die „Kik“-Welle sicher im Boot befahren. Selbst die Kleinsten hatten ihre Freude am Wasser: Merlin (7) saß vorne im Zweierkajak, während Berit (10) sich auch alleine in das eine oder andere Löchlein wagte. Stefan (20) nahm auf einer Fahrt auf der Drau Blockwurfwehre und die Slalomstrecke mit. Die Übungsleiter sorgten unermüdlich dafür, dass alle wohlbehalten unten ankommen und Kenterungen überwunden werden.

Der Donnerstag zeigte das Land von einer neuen Seite: von oben! In die Galitzenklamm führt ein Steg zu Klettersteigen verschiedener Schwierigkeiten durch die vom Galitzenbach gegrabene Schlucht. Immer höher ging es die Wand hinauf und auf einem Stahlseil war ein Wasserfall zu überwinden. Isabel (14) hing am Steilhang und suchte mit den Füßen Halt auf dem vom Fall mit Wasser besprengten Fels. Die Sicherung, erklärte sie, sei nicht zu provozieren, da sonst das Seil, das die Fallgeschwindigkeit bremse, zu weit ausgefahren werde. Im angeschlossenen Klettergarten machte Tim (13) das Überqueren eines Abgrundes mit einem Skateboard besonders viel Freude.

In der Nähe lockte noch die 2,7 km langen Sommerrodelbahn „Osttirodler“, mit der einige eine Geschwindigkeit von 38 km/h mit ihrem Gefährt erreichten.

Die Gipfelstürmer unter uns kamen auch auf ihre Kosten. Einige fuhren mit der Seilbahn aufs Zettersfeld, genossen den Ausblick auf den Rundwanderwegen und badeten in den Alpseen. Von der Lienzer Hütte aus wurde der imposante, alleinstehende Dreitausender Glödis (3206 m) mit Klettersteigausrüstung bezwungen. Bereits von Weitem ist die pyramidenförmige Spitze des „Tobleroneberges“ zu sehen und offenbart so die große Steigung, die der Kletterer zu überwinden hat. Die Weittalspitze (2539 m) dagegen bleibt unbezwungen – bei einer 12-Stunden-Wanderung von Lienz aus kamen die Wanderer auf dem Grat bis zum letzten zu steilen Kamin auf 50 m unterhalb des Gipfels.

Wer zur Erholung nicht im eigenen Zelt saunieren wollte, dem standen der Tristacher See am Hang des Rauchkofels und das Lienzer Schwimmbad zur Verfügung. Sie eröffneten einen atemberaubende Aussicht auf die Bergwelt der Dolomiten, der Schobergruppe und des Deferegger Gebirges. In letzterem wurde der verblockte und wuchtige Defereggenbach von einigen Übungsleitern in rasanter Abfahrt befahren.

So wuchs die Gruppe im Laufe der Woche nicht nur durch Fahrten und Ausflüge, sondern auch durch gemeinsames Kochen, Küchendienst, Spielen und Zeltbewohnen zusammen.

Die nächste Jugendwildwasserwoche findet vom 16. bis zum 24. August 2014 in Lienz statt.

Wer sich angesprochen fühlt, merke sich den Termin jetzt schon vor!

Sandra Lang

    
    Lienz bei Gewitter; der schön gedeckte Tisch
    
    Lagebesprechung vor Befahrung der oberen Isel
   
    Auf zur Weittalspitze!
   
    Abstieg auf dem Grat